Hallo Welt!
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Handelshochschule Leipzig, Sektion Gaststätten- und Hotelwesen
Die Idee einer gemeinsamen (interaktiven) Plattform im Netz habe ich schon länger.
Die regelmäßige Teilnahme an unseren SG-Treffen (auch meine) ging zurück. „Gestandene“ Kontakte wurden und werden gepflegt und andere weniger oder gar nicht. Aber so ist (auch) das Leben.
Der aktuelle, sehr traurige Anlass hat jetzt diese Initiative
beschleunigt und ich möchte euch allen und denen, die ihr kennt, hier lesen, hören oder sehen wollt, das Angebot machen, diese Seite zu nutzen.
Es wird die nächste Zeit sicher noch etwas an dem Format herum gebastelt (Ideen und Vorschläge sind willkommen) aber ich wollte und konnte nicht länger warten.
Liebe Grüße und bleibt gesund, Euer André.
Lieber Höcht,
als ich ein paar Tage nach diesem besagten Montag in der 8. Kalenderwoche die Nachricht von Ralli (Ralph Kausch) bekommen habe, dass du am 22. Februar dieses Jahres verstorben bist, konnte ich das erst gar nicht glauben und dann nur schwer fassen.
Okay, wir hatten vorher über ein Jahr nichts mehr voneinander gehört, davor einander auch nur ab und zu mal ein paar Mails geschrieben oder uns zu den jährlichen SG-Treffen wiedergesehen. Aber aus den Augen oder gar aus dem Sinn verloren, hatten wir uns nie.
Das soll´s dann jetzt gewesen sein?!
Ich habe zwischenzeitlich mal in meinem Mailarchiv der letzten 10 Jahre, in Fotomappen und Bilddatenbanken (auch mit Hagen’s Hilfe) sowie in ganz persönlichen Erinnerungen unserer gemeinsamen Zeit gekramt und mich entschlossen, dir diesen Brief zu schreiben.
Da ich alle Wörter, Sätze und Formulierungen beim Schreiben und Korrigieren mehrfach laut vor mich hingemurmelt habe, halte ich das auch für nachrangig, ob der Brief noch zustellbar ist oder du ihn selbst lesen kannst (wer weiß das schon). Tatsache ist ja nun mal, dass wir uns bei so ziemlich allen unserer letzten persönlichen Verabschiedungen: „Auf Wiedersehen, bis bald mal“! oder: „Mach´s gut und lass es dir gut gehen!“ zugerufen haben.
Diese Grußformeln relativieren sich jetzt leider etwas…
Am besten ist, ich befasse mich hier mit ein paar Erinnerungen aus unserer gemeinsamen Studienzeit, um etwas mehr über dich zu erzählen, was du so für einer warst bzw. wie ich dich gesehen habe und wie du auch in meinen Gedanken weiter spuken wirst. Als wir uns im Spätsommer 1981 als neu immatrikulierte Studenten der Handelshochschule in Leipzig kennen lernten, konnten wir natürlich (noch) nicht wissen, wen oder was Bruder Zufall oder das Schicksal da zusammengebracht hatte. Einen Vorgeschmack dessen, was uns die Studienzeit alles abverlangen wird, wie eng wir für die kommenden 4 Jahre zusammen wachsen werden, bekamen die vier Jungs in dem gemeinsam bezogenen Zimmer 714 (mit zwei Doppelstockbetten) des Studentenwohnheims auf der Volksgartenstraße 20 dann relativ schnell. Nach nur kurzer Zeit fanden du, Hagen, ich (aus der SG 8113) und Martin (aus der SG 8112) miteinander heraus, dass wir trotz unserer sehr unterschiedlichen Charaktere und bisherigen Lebensumstände mehr als nur einen gemeinsamen Nenner hatten. Aber auch die markanten Unterschiede der jeweiligen Persönlichkeiten und nicht zu vergessen unser eigenes Ego mit den dadurch erzeugten Reibungen, Kontroversen sowie den teilweise grotesken Situationen von studentischem Sozialverhalten innerhalb des real existierenden Sozialismus waren das Salz in der Suppe unserer gemeinsamen, sehr intensiven Studentenzeit, in der wir auch zu Freunden wurden. Der Stoff dieser gemeinsamen Erlebnisse und einmaligen Begebenheiten könnte ein gutes Buch füllen und auch viel über (innerdeutsche) Zeitgeschichte erzählen.
Wie du ja weißt, sei hier noch erwähnt, dass auch dein Freund Ralli Kausch zum maskulinen Quartett innerhalb der SG 8113 gehörte, der allerdings als Einwohner der Stadt Leipzig nicht das Privileg einer studentischen Unterbringung genießen durfte, zumindest nur „sporadisch“ und nicht dauerhaft über die gesamte Studienzeit wie wir.
Warum wir alle Studenten an der Handelshochschule in Leipzig wurden, hatte sowohl sehr vielfältige als auch vor allem individuelle Gründe. Warum allerdings dieses u. a. von Betriebswirtschaft, Statistik, Mathematik für Ökonomen, Wirtschaftsgeschichte und natürlich PöK (Politische Ökonomie des Kapitalismus), PöS (Politische Ökonomie des Sozialismus) gepaart mit Philosophie des ML (Marxismus/Leninismus) auch etwas politisierte Studium überwiegend von Mitstudentinnen geprägt war, kann nur damit zusammenhängen, dass die „Herren der Schöpfung“ in der damaligen Zeit und den gesellschaftlichen Verhältnissen in der DDR (Deutsche Demokratische Republik) primär in die technischen, medizinischen oder geisteswissenschaftlichen Studienrichtungen drängten.
Wir haben es hingenommen, wie es war und nicht weiter hinterfragt (das mit der „Frauenquote“).
Mit allen anderen Dingen haben wir uns schon von Anfang an, teilweise sehr kontrovers und streitlustig aber meistens mit entsprechendem Konsenswillen auseinandergesetzt.
Als einmal während des ersten Studienjahres auf einem Monatskalender, der in unserem Zimmer (ich weiß nicht mehr von wem) auf dem Schrank aufgestellt war, irgend ein Postkartenmotiv mit einem Pressefoto des damaligen Bundeskanzlers der BRD (Bundesrepublik Deutschland), Helmut Schmidt, kaschiert war, hat dich das ziemlich auf die Palme und uns viele Bier und mehrere Nächte heftigster Diskussionen eingebracht.
Du warst ein politischer Mensch und hast deine Meinung immer offen vertreten und wenn es sein musste, diese gegenüber anderen Positionen auch vehement verteidigt. Ich halte das bis heute für eine sehr positive Eigenschaft eines Menschen.
Dass wir unser privates und berufliches Leben vier/fünf Jahre nach der Exmatrikulation (1985) dann alsbald in einem wiedervereinigten Deutschland gestalten würden, hatte wohl keiner von uns auf der Rechnung. Schließlich waren wir auch (mehr oder weniger) alle brave FDJ-ler (Freie Deutsche Jugend) und haben artig an der jährlich vom Staate sowie der Hochschuladministration verordneten Demo zum 1. Mai teilgenommen anstatt den freien Tag lieber anderweitig zu nutzen. Allerdings waren der anschließende Frühschoppen mit dem fließenden Übergang zum Tanz in den Mai im Merkurhaus das zeitige Aufstehen und Fahne hochhalten jederzeit wert. Auch wenn der Vorlesungs- und Seminarplan am nächsten (Wochen-)Tage dann eher nicht mehr mit unserem persönlichen Zeitmanagement vereinbar war.
Im vorgenannten Zusammenhang erlangte die Tätigkeit des „Mitschreibens“ als uneigennütziger Dienst am Kommilitonen während der kommenden Vorlesungs- und Seminarzeiten für uns eine besondere Bedeutung.
Und hätte mir jemand geweissagt, dass du dir später mal zwei Vögel samt Käfig anschaffst, die du Hauser und Kienzle (Ulrich Kienzle und Bodo H. Hauser, TV-Journalisten und Begründer des Sendeformates Frontal) nennst, hätte ich den für unzurechnungsfähig erklärt.
Dieses verrückte Leben mit jeder Menge Alkohol wurde sicher auch dadurch begünstigt, dass wir die scheidenden Clubbetreiber des „Club 7“ bei uns auf der Etage ablösen konnten. Dass ausgerechnet uns diese Offerte gemacht wurde, lag sicher auch daran, dass wir (nur wegen der räumlichen Nähe über den Gang) in unserem ersten Studienjahr zu Stammkunden avanciert waren. Da kommt man halt ins Gespräch und empfiehlt sich.
Zweimal die Woche Ware organisieren (überwiegend Leipziger Hell und Obstwein, „blauen Würger“ und Cola), Öffnungszeiten bis weit nach der Sperrstunde, Wahnsinnsfeten und Discotheken mit Musik vom Band forderten unsere Kondition am Abend und unsere Konzentration am nächsten Tag. Jährliche Himmelfahrtsausflüge, die damals „Herrentag“ genannt wurden, wunderbare SG113-Fahrten, Faschingsfeiern in allen Räumen und auf mehreren Etagen, das fast schon legendäre Bockbierfest im Merkurhaus…die Aufzählung könnte fast endlos fortgeführt werden.
Da gab es schon mal Verschleiß. Beim Trinkgeld zählen ebenso wie mit dem Mobiliar oder der Studiendisziplin. Aber die nötige Unterstützung bei der unmittelbaren Dienstnachbereitung oder am nächsten Tage auch von der Heimleitung war uns immer sicher. Wir waren eben das Club-Team!
Du hast, wie wir alle, während dieser Zeit sehr gern gefeiert und manchmal auch (ein wenig) über die Stränge geschlagen. Zusammen haben wir das immer wieder hinbekommen und der verdiente Lohn war das Diplom (Dipl.-Ök)!
Natürlich hatte die Feierei auch immer mit Paarungsverhalten zu tun. Und logischerweise, war die Zeit in Leipzig für die meisten von uns auch von intensiver Partnersuche und der einen oder anderen Liason geprägt. Manch feste Verbindung, die vor dem Studium noch Bestand hatte, wurde auf die Probe gestellt oder ging gar in die Binsen. Einige haben auch ihr Glück gefunden und sind mittlerweile schon jenseits des 30. Hochzeitstages (Eva und ich gehören auch dazu). Dir war das leider nicht vergönnt und obwohl du dich immer nach einer festen Beziehung gesehnt hast, hat es weder beim Studium noch in deinem späteren Leben damit geklappt. Ich weiß leider nicht, ob und wie einsam du manchmal warst und wie dir das wirklich zugesetzt hat. Thematisiert hast du das eher selten oder es dir einfach nicht anmerken lassen. Auch mit der Mutter deines Sohnes, von dem du mir später mal erzählt hast, ist keine Familienbande entstanden. Einige Krankheiten und Operationen, die du über dich ergehen lassen musstest, haben sicher ihre Spuren hinterlassen, aber du bist immer wieder aufgestanden und hast das Beste draus gemacht.
Um Deine Eltern (Kürt und Edith), die wir in den 80ern auch kennen gelernt haben, hast du dich in Dresden intensiv gekümmert, nachdem du maßgeblichen Anteil daran hattest, dass Sie auf ihre alten Tage wieder in Ihre Heimat nach Sachsen in deine Nähe zurück kehren konnten.
Unvergessen wird mir immer bleiben, als wir einmal in der Kellerbar deines Elternhauses in Radebeul gemeinsam mit Elke und Martin, Petra und Ralph, „Eusebia“ und dir, Eva und mir sowie mit Blue Curacao, Rotkäppchen Piccolos (alles Bückware) und natürlich viel guter Musik bis in den Morgen gefeiert haben.
Du warst nicht nur in dieser Hinsicht auch ein großzügiger Mensch. Als Besitzer eines eigenen Trabbis durfte ich oft „Dein Fahrer“ sein, denn ich hatte nur die Fahrerlaubnis und kein eigenes Auto. Also fuhr ich oft am Montag mit dem Zug zu Dir nach Radebeul und dann die Autobahn mit strammen zwei getakteten 100 Km/h in´s schöne Leipzig. Da konnte man doch so Einiges zusammen auswerten und Pläne für die vor uns liegende Woche schmieden…
Dein Spruch (in welchem Zusammenhang weiß ich nicht mehr so genau) und ich zitiere dich jetzt: „Ich bin unendlich in meiner Großzügigkeit“ wird dich genauso überdauern wie deine damalige Literaturempfehlung in unserer Studentenbude, „Stirb, du Narr!“ (Historienroman von Karl Zuchardt).
Wir hatten eine gute Zeit zusammen in Leipzig, in und mit der SG8113 und unserer Truppe, die in einigen Worten und Bilder wohl am ehesten geeignet ist, etwas über dich zu erzählen und damit die Erinnerung an dich hoch zu halten.
Du fehlst nicht nur mir, Höcht, mach´s gut und bis irgendwann,
Dein André.
PS (in eigener Sache): Die 4 Jahre gemeinsame Studienzeit von 1981-1985 in Leipzig waren sicher eine ziemlich wichtige Etappe in unserem Leben. Dennoch sei hier nochmal darauf hingewiesen, dass danach jeder von uns fast 4 Jahrzehnte sein eigenes Leben geführt hat und sich in ganz unterschiedliche Richtungen individuell weiter entwickelt hat. Die Erinnerungen an diese tolle Zeit werden wir weiter gemeinsam aber auch jeder auf seine ganz eigene Weise pflegen, so lange wir das noch wollen und können. Insofern können die Zeilen für Höcht nur eine Art subjektive Momentaufnahme sein, die seiner Persönlichkeit und seinem Leben in Gänze nicht wirklich gerecht werden.
An dieser Stelle wird in Kürze eine „Blog-Funktion“ eingerichtet, unter
der sich alle Besucher dieser Seite direkt und unkompliziert austauschen können.
Bis es soweit ist, könnt ihr Kommentare und Anregungen gern an die Mailadresse info@sg8113.club schicken.
Alle Mails werden gelesen und beantwortet.
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